Rote Zora

Kuscheln auf der Piste

Marathon-Läufer sind einsam. Ganz einsam. Zumindest beim Training, dann, wenn es stürmt, hagelt, schneit, regnet und der Wind einem gnadenlos um die Ohren pfeift. Dazu noch die persönlichen Vorlieben: Der eine schlüpft morgens um sechs in die Schuhe, der andere muss sich abends nach der Arbeit noch auf die Socken machen. Und das immer alleine. Meistens jedenfalls. Wir Marathoni sind Einzelgänger, einsame Wölfe (und Wölfinnen). Herdentrieb, das gibt's nur an den besonderen Tagen wenn ein Wettkampf ansteht. Oder wenn die langen Ausdauerläufe am Wochenende warten, die gerade im Winter bitter notwendig sind. Am Wochenende rotten sich die Läufer zusammen, an einer der Rheinbrücken, an Parkplätzen, am Grafenberger Wald, im Süden Hassels. Drei Stunden auf der Piste: Diese halbe Ewigkeit ganz alleine mit Atem und Schweiß zu verbringen, ist viel zu öde. Jeder läuft allein, aber doch hat das Laufen bei Minusgraden etwas kuscheliges. Meckern übers Mitstwetter will man eben nicht ohne jemanden, der sich das anhören muss. Oder die neuen Laufschuhe. War rot eine gute Farbe? Gut, wenn's die Mitläufer bestätigen. Und sollten sie doch blau besser finden, kann man darüber streiten. In den drei Stunden. Zeit haben wir ja.
BIRTHE ROSENAU
erschienen in der Rheinischen-Post, Ausgabe Düsseldorf, Samstag, 16. Dezember 2006.

22.12.06 08:31

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